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Interview Jörg Wunderlich


Die Solidargemeinschaft ART- ABANA e.V. bietet gegenseitige finanzielle Absicherung im Krankheitsfall. die Mitglieder sind in lokalen und regionalen Gruppen organisiert. Stefan Josef Dick, Jahrgang 1964, von Beruf Coach und Sozialpädagoge, hat diese Bewegung von Anfang an in Deutschland mit aufgebaut.


Woher kommt der Impuls für die Gründung der ArTABANA und wie sind Sie selbst Mitglied geworden?


Ich habe ARTABANA 1999 kennengelernt und fand die Idee gigantisch. Das Modell stammt aus der Schweiz und geht auf die dortigen Tälerversicherungen zurück. Bis in die 60er Jahre hinein war es dort noch üblich, dass man sich in einem Tal einfach zusammengeschlossen hat und füreinander eingestanden ist. Bei uns in Deutschland haben solche Modelle schon mit Bismarck aufgehört zu existieren.


Wie hoch ist heute der monatliche Beitrag, den Ihre Mitglieder als Einlage zu leisten haben und wer entscheidet darüber?


Die Mitglieder legen die Höhe selbst fest. In der Regel nehmen wir das Einkommen dafür nicht als Grundlage. Unsere Durchschnittssätze sind deutlich niedriger als in Krankenkassen und liegen für Kinder bei 50 Euro und für Erwachsene bei etwa 100 Euro. Der Grund dafür ist, dass wir so gut wie keine Verwaltungskosten haben und ein hohes Gesundheitsbewusstsein vorherrscht.


Zu den grundsätzen der ArTABANA gehört eine freie Therapiewahl. Auf der anderen Seite besteht aber kein Rechtsanspruch, wie er etwa in der Satzung in einer Krankenkasse festgelegt wird. wie verbindlich ist denn das Solidarversprechen, das sich die Mitglieder gegenseitig geben?


Jedes Mitglied hat das Recht, jede gewünschte Therapie in Anspruch zu nehmen. Wir haben in Artabana kein Finanzproblem. Die Herausforderung besteht vielmehr, sich mit seiner Not in der Gruppe zu zeigen und um Hilfe zu bitten. Im Zeitalter von Absicherung und Rechtsanspruch haben wir das Bitten verlernt. Das kann dazu führen, dass Krankheiten oder Zahnverfall über Jahre verschleppt werden. Im Extremfall zerschießt es manche Gruppen, weil die Leute es nicht schaffen, diese emotionalen Prozesse zu bewältigen.


Sie gehören zu den 75 Prozent der ArTABANA-Mitglieder, die keine weitere Krankenversicherung haben. Seit 2007 gibt es in Deutschland aber eine Versicherungspflicht. Häufen Sie eigentlich Schuldenberge gegenüber der GKV an?


Nein - ein Anrecht auf Nachzahlung besteht nur bei der zuletzt versicherten Gesellschaft. Bei mir persönlich ist das nicht mehr möglich, weil das schon so lange her ist und es über mich keine Akten mehr gibt. Ansonsten sind es meines Wissens nach nur Einzelfälle, wo die Versicherung auf eine Nachzahlung besteht.


Das Gesundheitssystem in Deutschland ist ein Dauerpatient in struktureller und finanzieller Hinsicht. glauben Sie, dass Elemente Ihrer Bewegung auch Modell stehen könnten für eine Reform des öffentlichen Gesundheitssektors?


Ich glaube, dass dieses System infiltriert ist durch Lobbyisten, Politik und Wirtschaft und daher nicht gesunden kann. ARTABANA ist eine Antwort für Menschen, die gesellschaftskritisch mit Geld und Gesundheit umgehen wollen. Weil wir uns komplett aus diesem System ausklinken, können wir eine echte Alternative bieten, auch wenn wir aktuell noch im Anerkennungsverfahren sind, das prüfen soll, ob diese Bewegung im juristischen Sinne als „anderweitige Absicherung“ anerkannt wird.





INHALT:


> Lokale Finanzierungen für die Soziale Solidarische Ökonomie in Europa (neu und noch nicht im Heft)

> Editorial „Es ist eine große Freude zu spüren, dass wir ein Teil der Bewegung sind...“

> 2000 Franken für die Gemeinwirtschaft

> Alternative zu Ebay und Amazon/ Online-Marktplatz konsequent transparent

> Die 7-it eG, Die Oya Medien eG und die sinnwerkstatt Medienagentur GmbH.

> Globale Allianz der „Guten Banken“

> Solidarisch gesund statt kranker Kasse

> Eine gute Idee braucht Bewegung

> Auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie/ Gemeinwohl-Werte zählen


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Solidarisch gesund statt kranker Kasse