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von Felix Werth, Fairnopoly eG


Mit der Gründung der Fairnopoly eG am 12.12.2012 startete der Versuch, einen neuen Typ von Unternehmen zu etablieren. Wir nennen ihn Genossenschaft 2.0. Basierend auf der bestehenden Rechtsform „eingetragene Genossenschaft“ werden eine Reihe fairer Grundprinzipien in der Satzung garantiert. Dazu gehört u.a. die Festlegung einer maximalen Gehaltsspanne: Das höchste gezahlte Gehalt darf nicht mehr als das Dreifache des niedrigsten betragen. Um eine offene, partizipative und menschliche Kultur im Unternehmen sicherzustellen, wird die Geschäftsführung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewählt. Der Beitritt zur Genossenschaft, und damit die Möglichkeit zur demo-kratischen Kontrolle, ist für alle offen, die von den Aktivitäten des Unternehmens betroffen sind. Und damit demokratische Verantwortlichkeit wirklich möglich ist, garantiert die Satzung eine Verpflichtung zu konsequenter Transparenz.


Als ersten Anwendungsfall für diesen Unternehmenstyp haben wir einen schwierigen, aber wichtigen Markt gewählt: Fairnopoly ist ein Online-Marktplatz, der eine faire Alternative zu den Marktriesen Ebay und Amazon bieten soll. Wenn es gelingt, sich gegen diese stark auf Marktmacht ausgerichteten Konzerne durchzusetzen, wird das zur Gründung vieler weiterer Genossenschaften 2.0 ermutigen.


Seit September 2013 ist der Marktplatz online. Was verkauft werden kann, legen wir nicht fest. Es hat sich aber ergeben, dass auf dem Marktplatz mittlerweile die meisten in Deutschland erhältlichen Bücher zu finden sind. Menschen, die Bücher online kaufen möchten, können das also von jetzt an bei Fairnopoly tun – und so zum Aufbau des Unternehmens beitragen.


Als Marktplatz soll Fairnopoly verantwortungsvollen Konsum dort fördern, wo die Menschen einkaufen. Auf der Plattform gibt es keine blinkenden Werbeanzeigen, statt dessen werden Informationen zur Nachhaltigkeit von Produkten eingebunden. Über eine simple Filterfunktion können sich die Nutzerinnen und Nutzer faire, ökologisch produzierte oder gebrauchte Produkte herausfiltern. Zugleich bietet Fairnopoly gerade kleineren Händlern und Produzenten die Möglichkeit, sich in die Genossenschaft einzubringen und ihren Marktplatz mitzugestalten. Für die Zukunft ist anvisiert, auch für lokale und stationäre Händler eine Plattform zu bieten, mit der sie sich gemeinsam der Übermacht der großen Online-Händler entgegenstellen können.


Ein zentraler Aspekt des Projekts ist der Verzicht auf große Investoren. Fairnopoly soll zeigen, dass es möglich ist, gemeinsam mit dem Einsatz vieler ein großes Unternehmen aufzubauen, das nicht von den Interessen einiger weniger dominiert wird. Um wirklich viele Menschen mit ins Boot zu holen, ist die Mindestbeteiligung mit einem Anteil von 50 Euro möglichst niedrig gesetzt. Zugleich ist maximale Beteiligung nach oben gedeckelt: Maximal 10.000 Euro können pro Person investiert werden – um sicherzustellen, das Fairnopoly wirklich Vielen gehört. Über ein spezielles Punktesystem ist es zudem möglich, auch Arbeitszeit in das Unternehmen zu investieren. So wird es möglich, dass sich viele Menschen für die Gründung des Unternehmens einsetzen, auch wenn sie gerade kein Geld übrig haben, das sie investieren möchten.


Darin liegt auch der Kern der Strategie hinter Fairnopoly: Durch die Einbindung vieler Menschen als Besitzerinnen und Besitzer des Unternehmens schaffen wir ein unbeugsames Rückgrat, das gegenüber herkömmlichen Unternehmen einen entscheidenden Marktvorteil bietet. Wenn eine breite Zahl von Menschen das Unternehmen besitzt und mitgestaltet, müssen wir letztlich weniger Ressourcen für Werbung und künstliche Kunden-bindung einsetzen. Als konsequent faires Unternehmen können wir zudem mit einer großen Zahl bestehender Netzwerke und Initiativen zusammen-arbeiten, die sich für eine nachhaltigere, demokratischere Wirtschaft einsetzen. Bereits heute sind weit über 1000 Menschen aus dem ganzen Land in die Genossenschaft eingestiegen, hunderte bringen sich aktiv in die Verbreitung ein. Es bieten sich täglich so viele neue Kooperations-möglichkeiten, das wir kaum hinterherkommen, ihnen nachzugehen.


Wir wissen dabei, dass wir uns ein riesiges Projekt vorgenommen haben. Wir mussten bereits einige Schwierigkeiten überstehen und wir sind sicher, es werden weitere kommen. Doch das ist vielleicht gerade das Schönste an diesem Projekt: Immer wieder, gerade auch in schwierigen Momenten, stoßen wir auf die Unterstützung vieler Menschen. Es ist eine große Freude zu spüren, dass wir ein Teil von der Bewegung sind, mit der wir gemeinsam unaufhaltsam mehr Menschlichkeit und Demokratie in unsere Wirtschaft bringen.


www.fairnopoly.de




INHALT:


> Lokale Finanzierungen für die Soziale Solidarische Ökonomie in Europa (neu und noch nicht im Heft)

> Editorial „Es ist eine große Freude zu spüren, dass wir ein Teil der Bewegung sind...“

> 2000 Franken für die Gemeinwirtschaft

> Alternative zu Ebay und Amazon/ Online-Marktplatz konsequent transparent

> Die 7-it eG, Die Oya Medien eG und die sinnwerkstatt Medienagentur GmbH.

> Globale Allianz der „Guten Banken“

> Solidarisch gesund statt kranker Kasse

> Eine gute Idee braucht Bewegung

> Auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie/ Gemeinwohl-Werte zählen


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